Video-Reportage: Meinungen zur Kölner Nord-Süd-Stadtbahn
Die Leidensgeschichte Nord-Süd-Stadtbahn ist lang. Der Ende 2002 begonnene Ausbau des Kölner U-Bahn-Netzes für die Entlastung des Innenstadttunnels und zur besseren Anbindung der Süd- an die Innenstadt, hat in den letzten sechs Jahren für einigen Unmut bei den Kölner Bürgern gesorgt. Doch nie war es so schlimm und präsent wie jetzt. Nachdem man im Jahre 2004 den “schiefen Turm von Köln” noch mehr oder weniger als Attraktion belächelt hatte, kocht nun mit dem Einsturz des historischen Stadtarchivs die Stimmung hoch. Mindestens ein Menschenleben hat das Unglück bereits gefordert; eine weitere Person wird immernoch vermisst.
Etwa eine Milliarde Euro kostet der Bau der Nord-Süd-Stadtbahn. Damit ist jeder Kilometer der ca. vier Kilometer langen Strecke fast 15 mal so teuer wie etwa die Magnetschwebebahn Transrapid. Und ca. acht Jahre soll der Bau andauern. Zahlreiche Schäden an Gebäuden im Severinsviertel und am Heumarkt, sich plötzlich auftuende Löcher auf der Straße am Chlodwigplatz und nun der Verlust des Stadtarchivs mit einem materiellen Schaden von rund 400 Millionen Euro, einem gar nicht zu ermessenden kulturellen Schaden und dem Allerschlimmsten, dem tragischen Verlust eines Menschenlebens… Da fragen sich viele Kölner: Ist uns das die 8 Minuten Fahrzeitersparnis wirklich wert?
Ich war für euch vor Ort, um ein Meinungsbild der Anwohner und Besucher des Severinsviertels einzuholen.
Vielen Dank an den Mann hinter der Kamera Alexander Bentzien für die super Zusammenarbeit!


























9 Kommentare
Puh
Donnerstag, 12th März 2009 at 03:10
hihi Klasse Arbeit - hätte nicht gedacht dass du so einen guten Reporter abgibst und finde witzig dass dein Avatar scheinbar genauso aktuell wie meiner ist ;)
Freu mich schon auf weitere Reportagen von dir - das ist wesentlich professioneller und gefällt mir auch mehr als was man oft bei den Öffentlich-Rechtlichen ertragen muss.
Kihaki
Donnerstag, 12th März 2009 at 09:37
Was man für 1 000 000 000 Euro (man muss die Zahl mal ausschreiben um sich vorzustellen was das wirklich an Geld ist) alles hätte machen können.. !
z.B. hätte man einer Gruppe von 10 000(!) Sozialhilfeempfängern 24 JAHRE lang den Regelsatz von 347 Euro zahlen können.
Stattdessen wird das Geld sinnvoll im Abriss des Stadtarchivs eingesetzt - Glückwunsch!
Manuel
Donnerstag, 12th März 2009 at 12:27
Sehr cool gemacht! Schön ruhig und nicht so hektisch :-) Inhaltlich auch korrekt und nicht reisserisch - sehr gut. Bin gespannt auf mehr.
Nächstes mal bitte noch Teenies interviewen die Null ahnung haben und schon biste bei RTL2 ;-)
Weiter so!
Frank
Donnerstag, 12th März 2009 at 12:50
Wirklich gute Reportage, direkt am Bürger und fernab vom Sensationsjournalismus.
HerrK
Donnerstag, 12th März 2009 at 17:46
Sehr schönes Interview und auch interessant die ganzen unterschiedlichen Meinungen zu hören.
Im Nachhinein zu sagen das Ganze war ein riesen Fehler ist natürlich jetzt sehr leicht. ;)
Asphar
Sonntag, 15th März 2009 at 22:58
Nur mal so ausgerechnet:
Von den Kosten der Nord-Süd-Stadtbahn, hätten über 6.000 Menschen 50 Jahre lang täglich die Strecke mit dem Taxi fahren können.
Toejam
Mittwoch, 25th März 2009 at 10:18
Schlechte Reportage, nur Suggestivfragen! Da kann man ja gar nicht anderes antworten.
1) Zu Eurem Transrapidvergleich:
Der hinkt gewaltig. Die Nord-Süd-Stadtbahn ist deswegen so teuer, weil ein sehr hoher Anteil innerstädtischer Tunnel mit komplexen Haltestellen vorhanden ist. Das mit den Streckenkosten des Transrapids zu vergleichen ist unsachlich.
2.) Hättet Ihr mal eine Umfrage vor 6 Wochen von KVB Nutzern gemacht, ob sie zufrieden mit der Pünktlichkeit sind, wäre rausgekommen: “alles ne Katastrophe, die machen ja nix”
Fakt ist: Die vorhandenne Strecken, besonders der Innenstadttunnel haben nicht mehr Kapazität, man kann nicht mehr Bahnen fahren lassen, der ist jetzt schon überlastet. Immer nach mehr ÖPNV schreien ohne zu investieren geht nicht.
Toejam
Mittwoch, 25th März 2009 at 10:30
Zu euren Zahlenspielchen:
“6.000 Menschen 50 Jahre Taxi fahren lassen”
Super, die Strecke benoútzen aber täglich 60.000 Menschen, also reicht das Geld nur 5 Jahre (und Taxi: sehr umweltfreundlich!)
Und dannach? Zustand wie vorher.
“10 000(!) Sozialhilfeempfängern 24 JAHRERegelsatz. bezahlen”
Ach ganz tolle Idee. Arbeitslosigkeit finanzieren ohne Mehrwert.
Da ist es doch besser, über einen Zeitraum von 10 Jahren (wie bei der Nord-Süd-Stadtbahn) tausende Ingenieure und Arbieter für reale Arbeit zu entlohnen (das Geld wird ja auch nohc versteuert), und am Ende hat man einen Mehrwert geschaffen, der 200 Jahre hält. DAS ist der Unterschied!
Ansonsten solltet ihr Euch mal klarmachen, woher das Geld kommt. Die Gelder sind zweckgebunden (verbessrung der Infrastruktur) und kommen zu 90% von Bund und Land. Da finde ichh so Kommentare wie “U-Bahn sofort stilllegen” total klasse, weil dann die Stadt Köln 900 Mio Euro zurückzahln darf und nichts davon hat.
Asphar
Mittwoch, 25th März 2009 at 15:22
@Toejam:
ad 1) Der Transrapidvergleich sollte auf die hohen Kosten aufmerksam machen - nicht mehr und nicht weniger. Vergleiche sind dazu da, um Leuten ein Gefühl dafür zu geben, ob etwas teuer ist, oder nicht, denn nicht jeder hat das Hintergrundwisse um sich das selbst zusammenzureimen. Sollte also in keinem Fall eine “hätten die doch mal lieber einen Transrapid hier gebaut” Nummer sein. Das Transrapid ist selbst ein Fehlschlag - leider kann man sowas aber eben auch noch teurer haben…
ad 2) Die Verspätungen gehen nur zu einem Teil auf’s Konto des überlasteten Innenstadttunnels. Ich glaub nicht, dass wenn die Nord-Süd-Stadtbahn einmal im Einsatz ist, die Verspätungen und anderen Kritikpunkte drastisch zurückgehen werden.
ad 3) Ich dachte eigentlich, dass es mit gesundem Menschenverstand offensichtlich sein sollte, dass diese Zahlenspielchen ebenfalls lediglich als Vergleich dienen sollten, um die immensen Kosten einmal erfassen zu können, und nicht als ernst gemeinter Vorschlag.
ad 4) Schön und gut, dass man einen Mehrwert für eine lange Weile schafft - 200 Jahre halte ich allerdings für mehr als unrealistisch - und dabei viele Leute beschäftigt, letztendlich werden die Kosten aber effektiv sicher am Endkunden hängenbleiben, und die KVB, bis die N-S-Bahn einmal fährt, ihre Fahrpreise sicher noch einmal im 10% angehoben haben.
Von alledem einmal abgesehen: Es ist ja mittlerweile öffentlich geworden, wo und wie beim Bau Fehler gemacht wurden, und meine Meinung dazu ist, egal, ob man jetzt findet, dass so ein Projekt langfristig sinnvoll und nötig ist, dass Menschenleben zu gefährden, nur um des schnelleren Fortschritts willen, eher ins Mittelalter gehört, als in unsere Zeit. Das kannst du drehen und wenden wie du willst, mir persönlich aber bleibt dieses Projekt ein Dorn im Auge - nicht nur, weil ich letztendlich ungefragt für etwas zahlen werde, was ich gar nicht haben wollte, sondern einfach auch wegen der Art und Weise wie es umgestzt wurde und weiterin wird. Mir persönlich ist es das einfach nicht wert.
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