No worries?
Diejenigen von euch, die meine Updates auf Twitter verfolgen (und das sind scheinbar immerhin genug, um mich auf Platz 18 der Deutschen Twitter-Charts zu bringen), wissen es sicher schon: Ich hab mal wieder das Land verlassen, weil es mich beruflich einmal mehr nach Melbourne, Australien verschlagen hat. Das letzte mal, Anfang des Jahres, war es besonders toll, weil wie da im verschneiten Köln grad tiefsten Winter hatten und in Down Under grad Hochsommer war. Dieses mal ist es leider genau andersrum. Aber glücklicher Weise ist es nicht nur so, dass der Sommer in Köln nicht so heiß wird wie in Melbourne, sondern auch das der Winter in Melbourne nicht so bloody cold wird, wie der in Kölle.
Leider verlief diesmal meine Reise auch etwas weniger reibungslos als beim letzten mal… Zunächst einmal steht für meine Arbeit hier in Melbourne diesmal ein schicker 24″ iMac mit Vollausstattung zur Verfügung. Leider aber ohne Photoshop-Lizenz, weshalb ich sicherheitshalber mal mein Notebook wieder mit Windows bestückt habe, um eine meiner Kölner Windows Lizenzen mitnehmen zu können. Da ich da vorher ein anderes OS drauf hatte, musste ich also mal wieder von Grund auf neu installieren, und bis man so seine ganze Software drauf hat und alles schön wieder so eingestellt hat, wie man es mag, veregehen schnell mal zweieinhalb Tage. Das war zumindest die Zeit, die ich brauchte, bis ich installations- und konfigurations-technisch fertig war, und die tausenden von Arbeitsdateien von meine Rechner im Office auf mein Notebook kopiert hatte…
Was mir dann passiert ist, war so dämlich, dass ich aus Frust regelrecht ausgetickt bin, und bei mir zu Hause erstmal mit Sachen um mich werfen musste: Buchstäblich Minuten bevor ich noch die letzten paar Tools installieren wollte, darunter unter anderem eine Antivirus Software, fange ich mir die vermutlich verseuchteste Datei im ganzen Internet ein. Was mir eigentlich ein virtuelles CD-ROM-Laufwerk bescheren sollte, beherbergte netter Weise gleich eine ganze bunte Tüte von Viren, Trojanern und AdWare. Und wer immer diese so zusammengestellt und miteinander verknüft hat, wusste wirklich, was er da tut. Ich hab mich Dank Tools wie Hijack This, Spybot und Combofix eigentlich nie vor irgendwelchen kleinen Schädlingen gefürchtet, und in den seltenen Fällen, wo ich mir mal was eingefangen hab, hab ich es immer wieder geschafft, mein System binnen Minuten wieder sauber zu bekommen. Aber was mich am vergangenen Freitag da erwischt hat, war wirklich durchdacht:
AdWare ersetzt bekannte Windows Security Toold wie das Security Center durch eigene Tools, die genauso aussehen, aber statt zu helfen nur noch mehr Schaden anrichten, wenn man so dumm ist, draufzuklicken. Das ist mir übrigens auch nur aufgefallen, weil die bekannten Sicherheitsinstrumentarien auf einmal auf englisch waren. Weiterhin sorgen zwei Trojaner dafür, dass sämtliche URLs die man aufruft, umgeleitet werden, teilweise auf Phishing-Sites, die ebenfalls sehr gut imitiert wurden. Die Viren unterbinden inzwischen alles, was man tun könnte, um die Schädlinge zu entfernen. So wird z.B. der Taskmanager deaktiviert, auch für Administratoren, und der Zugriff auf die Registry verhindert, um das Ganze nicht rückgängig zu machen. Es ist nicht mehr möglich neue Programme zu installieren und EXE-Dateien können nicht mehr von einem Wechseldatenträger gestartet werden, werden allerdings dennoch direkt infiziert, genauso wie vorhandene Netzlaufwerke und Arbeitsgruppen-Computer. Die Trojaner sperren außerdem den Zugriff auf sämtliche Websites bekannter Sicherheitstools und öffnen Ports, zumindest lokal, und laden weitere AdWare herunter. Die ersetzt dann den Desktophintergrund durch eine ActiveDesktopWebsite und tauscht entsprechend in den angreifbaren Browsern die Startseite aus und installiert Toolbars. Zum krönenden Abschluss funktioniert das alles auch im abgesicherten Modus genauso gut, und man bekommt auch dort keinen besseren Zugriff auf das System, und die Systemwiederherstellung wird entsprechend auch versorgt. Nach drei Stunden frustrierten Rumprobieren hab ich mich dann zum ersten Mal von einem Schädling geschlagen gegeben, das Notebook formatiert und von vorne angefangen, weshalb mir vom Wochenende vor meinem Flug nicht viel übrig blieb…
Obwohl unser Travel Agent meinte, er habe meine Daten ja alle noch, hab ich ihm extra noch einemal meine Adresse und Handynummer geschickt, da man beim Flug via Emirates ja schick mit der Limo abgeholt wird, und die ja wissen müssen wann und wo… Entsprechend hab ich drum gebeten, am Sonntag um 18:30 Uhr abegholt zu werden, 2,5 Stunden vor meinem Flug. Auch nach meinem Visum hab ich nochmal gefragt, und mir wurde versichtert, dass mein Visum vom letzten mal noch gültig sei…
Letztendlich rief mich am Abflugtag dann erstmal ein australischer Arbeitskollege an, der mir dann erzählte, dass noch keine Unterbringung für mich gebucht sei, und ich vom Flughafen aus dann erstmal zu ihm kommen solle, und wir würden uns dann zusammen um ein Hotelzimmer kümmern. Ich solle ihn dann anrufen, sobald ich am Flughafen in die Limo steige, damit er auch wach ist, wenn ich ankomme.
Soweit der Plan. Gelaufen ist es dann aber doch so:
Am Mittag des Abflugtages ruft mich die Fluggesellschaft auf dem Festnetz an. Die Nummer haben sie aus dem Telefonbuch, weil die vom Travel Agent hinterlegte Handyummer falsch ist. Danke. Und es ist offenbar keine Abholzeit für die Limo angegeben worden. Danke. Ich vereinbare also 18:30 Uhr für das Limo-Pickup. Die Limo kommt allerdings unangekündigt schon um 18 Uhr, weil das wohl eine Standardzeit für diesen Flug ist. Danke. Schnell mal gehetzt und hoffentlich nichts vergessen bin ich dann in der Limo, wo ich darüber aufgeklärt werde, dass ich ab dem 40. Kilometer einen Zuschlag zu zahlen hab. Letztes mal waren das stolze 5 Euro, also ist mir das ziemlich egal. Interessanter Weise sind es diesmal gleich 25 Euro, keine Ahnung was sich seitdem an der Route nach Düsseldorf geändert hat, aber da ich die grad noch so bar hab, bezahle ich den Mann und frage mich, warum man bei einem 8.000 Dollar teuren Flug noch 25 Euro für die Anfahrt hinlegen muss…Danke. Nachdem mich der Fahrer mit meinen Koffern abgesetzt hat und weggefahren ist, stelle ich im Flughafen fest, dass er mich ordentlich weit weg vom für mich richtigen Counter abgesetzt hat. Danke. Ich latsche also schwer beladen gefühlte zwei Kilometer zum Check-In, wo ich erfahre, dass mein Visum wohl verschwunden ist. Die Fluggesellschaft findet jedenfalls keines unter meiner Reisepass-Nummer. Danke! Also schnell rüber zum anderen Laden da noch ein Last-Minute-elektronisches-Visum für 35 Euro gekauft. Da mein Bargeld jetzt alle ist mit der Visa-Karte bezahlt. Deshalb heißt die also Visa-Karte…
Der Flug bis Dubai ist erstaunlich langweilig, da ich alle Filme und Serien im Unterhaltungssystem des Fliegers schon kenne. In Dubai setze ich mich in die volle Business-Class Lounge und esse erstmal was. Irgendwie schmeckt mir das “normale” Lounge-Futter besser als der noble Kram an Board des Fliegers. Ich mache mein Handy an und stelle fest, dass der Bildschirm schwarz bleibt. Akku ist voll, ich höre auch dieschöne Nokia-Willkommens-Melodie nachdem ich meine PIN eingegeben hab, aber nichts zu sehen. Die Hintergrundbeleuchtung meines N95 ist zwar an, aber der Screen selbst bleibt eben schwarz. Fuck! Auch Akku und SIM rausnehmen und mehrmalige Neustarts helfen nichts. Super. Danke. Werde ich meinen Kollegen wohl nicht über meine Ankunft informieren können. Ich mache mein Notebook an und surfe zu twitter.com um meine treuen Follower über meine sichere Ankunft in Dubai zu informieren. Leider klappt auch das nicht, denn statt der gewohnten Twitter-Seite bekomme ich nur eine Meldung, dass diese Website von der Regierung der Vereinten Arabischen Emirate aus religiösen und kulturellen Gründen blockiert wird. Nachdem ich twiddict.com als funktionierenden Workaround gefunden habe, surfe ich mal eine der ChatSites an, die ich mit entworfen und aufgebaut habe und finde heraus, dass auch diese blockiert wird, weil sie nicht mit den arabischen Wertvorstellungen übereinstimmt, was mir aber irgendwie ein gutes Gefühl und ein Schmunzeln beschert… :)
Nach weiteren 14 Stunden und unzähligen alten Folgen von Family Guy im Flieger komme ich ziemlich fertig in Melbourne an, da ich bekanntlicher Weise im Flugzeug einfach nie schlafen kann. Mit der Limo geht’s durch den Regen zum Haus des erwähnten Arbeitskollegen. Als ich schon vor der Tür stehe denke ich, ich versuche mal, ob mein Handy es jetzt vielleicht wieder tut, damit ich den doch mal anrufen kann, statt auch gleich noch seine Frau mit aus dem Bett zu klingeln. Erstaunlicher Weise funktioniert mein Handy tatsächlich auf einmal wieder einwandfrei. Ich schätze, dass es in Dubai von der Regierung der Vereinten Arabischen Emirate deaktiviert wurde, weil es mit den religiösen und kulturellen Wertvorstellungen des Landes nichts vereinbar ist, wieviele Nummern von weiblichen Personen ich in meinem handy gespeichert hab…
Ich rufe also an, aber mein Kollege ist not available. Nach drei versuchen klingele ich dann eben doch mal. Nach zwei Minuten nochmal. Dann nochmal. Dann fange ich an zu klopfen. Nach ca. 10 Minuten akustischen auf-mich-aufmerksam-Machens geht dann tatsächlich auch mal ein Licht drinnen an. Nach einem wohlverdienten heißen Tee geht’s dann erstmal ins Büro, alle hallo sagen, und danach dann endlich mal in ein nahegelegenes Hotel. Nach ca. 40 Stunden ohne Schlaf gehe ich dann noch einmal kurz raus um mir drei Stücke Pizza zu holen. Eines davon schaffe ich noch, bevor ich dann wieder im Hotel in einen vollkommenen Erschöpfungsschlaf falle. Doch auch das nur für 6 Stunden, denn ich hab mir den Wecker gestellt, auf 18 Uhr Ortszeit, damit ich heute Nacht noch müde genug bin, um bis morgen früh noch ein paar Stunden zu schlafen und mein Jetlag dann los zu sein.
Jetzt ist es gerade 3 Uhr morgens hier. Ich hab vorhin erstmal das beste gemacht, was man an einem verjetlagten ersten Winterabend in Melbourne tun kann: Ich bin ins Kino gegangen und hab mir The Dark Knight angeguckt. Eine ausführlich Kritik zu dem Film, der in Deutschland erst Ende August anläuft (HAHAA!!), schreibe ich dann mal morgen, da ich jetzt erstmal noch ein paar Stunden Schlaf kriegen sollte.
In den nächsten Tagen gibt’s dann sicher ein paar neue Fotos von hier, Videos und Filmkritiken, sowie ein Tagebuch der vielen komischen Dinge, die mir in meinem Leben immer so passieren, egal wo ich grad bin. Bleibt mir also treu und schaut immer mal wieder rein. ;) Bis die Tage!


























5 Kommentare
Fudge
Dienstag, 22nd Juli 2008 at 19:44
Herzlich willkommen im Ländle ;-)
Nächste Woche Sonntag werde ich mich dann auch via Dubai, auf den Weg nach Melbourne begeben.
Also ruh dich schön aus, damit die fit bist für eine ausgiebige Shopping, Kneipen, was auch immer Tour ;-)
Wurzels Welt
Dienstag, 22nd Juli 2008 at 20:35
Warum die Visa-Card Visa-Card heißt…
Bei André Hünseler auf "So war das damals" kann man jetzt nachlesen, wie schwierig es sein kann, von Köln nach Australien zu fliegen. Verdrehte Handy-Nummern, Autos, die nicht da sind wo sie sein sollen … und zu guter letzt erfährt ma…
HerrK
Dienstag, 22nd Juli 2008 at 23:53
Schöner Bericht!
Das mit dem neu aufgespielten Notebook und dem Virus-Überfall war ja echt ne harte Sache, glaube ich wäre da schwer ausgetillt. Deswegen immer schön als ALLERERSTES den Schutz und dann den Rest. Man geht niemals im Wewewe ungeschützt spazieren - im Schnitt wird jeder Rechner alle 13 Sekunden attackiert!
Dann mal viel Spaß in Down Under…
Notebook Infos » Post Topic » Re: Notebook im Netzbetrieb: Akkue herausnehmen? - Dell-Notebook setzt Wohnzimmer in Brand
Samstag, 26th Juli 2008 at 18:04
[...] notebookr gibt es auf einfache Fragen nur komplexe Antworten. Auf eine komplexe Frage gäbe es hier eine einfache Antwort. Die komplexe Frage begönne mit der Frage danach, wie die Lade-Elektronik des Notebooks ausgelegt ist, wie sauber sie funktioniert, und wie stabil das Netzteil arbeitet … Aus der speziellen Eigenart von LiIon-Akkus, von allen üblichen Akkutypen am wenigsten zu verübeln (es gewissermaßen sogar zu danken), wenn sie Nichtentladen wieder nachgeladen werden, läßt sich vermuten, daß sie als Hochlastpuffer ins System integriert sind. Besonders dort, wo am letzten Elko der entscheidende Cent Gewinn herbeigespart wird. Im Optimalfall wirst Du einfach sporadisch mit einem Systemabsturz bestraft, während normalerweise das System sich einregeln würde, um Leistungsspitzen abzufangen. Im zweitbesten Fall verweigert das System ohne Akku einfach den Betrieb (und der Support darf sich mit Fragen rumärgern, warum kein Akkuwechsel im laufenden Betrieb möglich ist). Im drittbesten Fall, brät eine SMD-Sicherung vor der Ladeelektronik durch, die der geschickte Heimwerker problemfrei für ein paar Cent wechseln kann, während der Support sich im Austauschen von Mainboards üben darf. Und im anderen Optimalfall danken es verschiedene Elkos zwar mit geringerer Lebensdauer, fallen aber erst aus, nachdem Du Dein Notebook schon längst bei ebay in die Sondermüllverwertung gegeben hast. Und ich würde sagen: Probier’s zu allererst aus, bevor Du das Biest ernsthaft in Betrieb genommen hast, solange also noch unzweifelhaft der Händler gewährleisten muß, der seinerseits unzweifelhaft den Hersteller in Anspruch nehmen kann. Vorab ist natürlich in der Bedienungsanleitung nachzulesen, ob ein anderweitiger Hinweis gegeben ist. Das ist im Übrigen die einfachste Antwort auf die Frage. [...]
Notebook Infos » Post Topic » GERICOM??? NEVER!!! - c’t 6/2006, S. 178: Notebook-Reparaturen
Montag, 8th September 2008 at 10:19
[...] Mainboard war inkl. der darauf befindlichen Komponenten ausgetauscht worden, da scheinbar das BIOS defekt gewesen wäre. 2 Wochen später wieder ein hübsches blaues Bild….. Dieses Mal erzählte man [...]
Kommentar hinterlassen