Im Interview mit azubister.net
Vor einiger Zeit habe ich mich mal etwas intensiver mit Social Networks im Web auseinandergesetzt, euch meine Meinung zu studiVZ’s neuem Ableger meinVZ und dem Interview zwischen studiVZ-Chef Rieke und SpiegelOnline kundgetan.
Heute möchte ich euch einmal mit noch ambitionierterem Journalismus verwöhnen, und habe dafür das noch recht junge Netzwerk-Startup azubister im Kölner Neven-DuMont-Haus besucht, und Gründer Andreas Diehl (2. von rechts), Technikleiter Karsten Beyer (2. von links) und PR-Praktikantin Miriam Weber (rechts) zum Interview geladen…

SWDD: Azubister ist ein Social Network für Azubis und angehende Azubis. Was waren eure Beweggründe, ein SN speziell für diese Zielgruppe ins Leben zu rufen?
Diehl: Nach sechs Jahren Verkauf von Handy-Content wollte ich endlich einmal etwas Sinnvolleres machen. (lacht) Der Bereich Bildung respektive Ausbildung war da nahe liegend, wie auch die Grundidee so ein Thema mit einem sehr zielgruppenaffinen Produkt zu verbinden. Die Hauptzielgruppe sind dabei vor allem Schüler, die erst noch eine Ausbildung suchen, bzw. sich für eine entscheiden müssen, und dabei Orientierung benötigen.
SWDD: Orientierung in welcher Form?
Diehl: In Form eines vertrauenswürdigen Netzwerks aus Freunden, Mitschülern und Kollegen. Mit dem Beginn der Ausbildungszeit beginnt auch ein neuer Lebensabschnitt, es kommen neue, fremde Situationen auf einen zu. Das beginnt schon bei der Frage, welcher Beruf der richtige für einen ist. In unserer letzten Umfrage haben wir festgestellt, dass 34% aller Azubis ihre Ausbildung nicht noch einmal machen würden. D.h. jeder Dritte hat einen Ausbildungsplatz, den er eigentlich gar nicht will. Traurig wenn man überlegt, dass viele Jugendliche einen Beruf erlernen, an dem sie so wenig Spaß haben. Hier hilft azubister als Informations- und Kommunikationsplattform und erleichtert die Orientierung und den Einstieg. Nicht zuletzt natürlich auch über ein Matching zu passenden Betrieben für Ausbildungssuchende.
SWDD: Wie lange gibt es azubister jetzt schon und gab es Startschwierigkeiten?
Beyer: Gegründet wurde azubister offiziell im Oktober 2007. Die größte technische Herausforderung ist und bleibt, die ganzen Ideen für den Ausbau und neue Funktionen auch skalierbar in einem akzeptablen Zeitraum umzusetzen. Schließlich sind wir noch weit davon weg, was azubister mal sein soll.
SWDD: Ein anderes Problem dürfte es sein, erst einmal eine kritische Masse zu erreichen, bis so ein Netzwerk von alleine läuft.
Weber: Richtig. Für unseren Maßstab liegen wir aktuell noch unter dieser kritischen Masse. Allerdings legen wir uns die eigene Latte ziemlich hoch und sehen eine erste Basis bei einer sechsstelligen Mitgliederzahl erreicht.
SWDD: Von der Zielgruppe einmal abgesehen, was unterscheidet azubister von anderen SNs wie etwa studiVZ?
Diehl: Wir verfolgen mit azubister ein ganz anderes Ziel als die bekannten VZs, mit diesen Netzwerken wollen wir uns nicht vergleichen. Azubister ist ein Netzwerk in dem die Karriere und die berufliche Ausbildung von Schülern und Auszubildenden im Vordergrund steht. Es geht um die wichtige und sehr ernst zunehmende Frage, was nach der Schule kommt und welcher Berufsweg der richtige für mich ist. Das Thema Ausbildung steht absolut im Vordergrund. Auf ihren Profilen dokumentieren Mitglieder den gesamten Ablauf ihrer bisherigen Karriere: von der Schule, über Praktika und Ferienjobs, ihren Berufsinteressen bis hin zu ihrer Ausbildung und ersten Berufsstationen. Eine ausführliche Berufsbeschreibung und Interviews mit Azubis zu allen möglichen Ausbildungen und Berufen sind nur einen Klick vom Profil der Mitglieder entfernt. Auf diesem Weg verschaffen sich Schüler einen authentischen Einblick und können von anderen Mitgliedern lernen, welche Wege sie für ihre Ausbildungswahl einschlagen können. Im nächsten Schritt werden wir auch Praktikums- und Ausbildungsplätze ausschreiben, damit Schüler sich orientieren und eine Ausbildung finden können. Aber trotz allem soll azubister auch Spaß machen und bietet die gängigen Funktionen eines SN. Schließlich soll und muss eine Ausbildung auch Spaß machen, damit sie für Azubis und Ausbildungsbetriebe das optimale Ergebnis bringen.
SWDD: Interessant ist für viele natürlich auch das Thema Datenschutz. Bei studiVZ war dieser ja durch Änderungen in den AGB erst kürzlich in Verruf geraten. So ermöglichen die neuen AGB zum Beispiel das Schalten personenbezogener Werbung, aber auch ist es studiVZ jetzt möglich, personenbezogene Daten bei Ermittlungsanfragen herauszugeben. Wie sieht es denn bei euch mit dem Datenschutz aus? Was sollten die User wissen?
Diehl: Prinzipiell muss man hier zwei Sachverhalte unterscheiden: Zum einen die Herausgabe personenbezogener Daten bei Ermittlungsanfragen wegen Drogen, Volksverhetzung oder anderen Straftaten. Kein Netzwerk dieser Welt kann und darf einen rechtsfreien Raum bieten, ich denke das sieht jeder ein. Solange das Mitglied sich nicht strafbar macht oder keine Anfragen vorliegen, geben wir auch keine Daten raus. Der andere Sachverhalt ist das Nutzen der persönlichen Daten für Werbung. Auch das machen wir nicht, da wir ein anderes Geschäftsmodell verfolgen.
SWDD: Also keine Nutzung persönlicher Daten für Werbung. Generell überhaupt Werbung oder wie genau sieht euer Geschäftsmodell dann aus? Irgendwoher muss das Geld ja schließlich kommen…
Diehl: Natürlich wollen auch wir Geld verdienen, aber nicht über Werbung oder den Verkauf von Mitgliederdaten. Wir haben verschiedene Premium Modelle für Ausbildungsbetriebe im Aufbau, die die Suche nach qualifiziertem Nachwuchs und guten Azubis erleichtern wird. Davon unberührt bleibt die Mitgliedschaft im azubister, diese ist und wird auch immer kostenfrei bleiben.
SWDD: Wie schätzt ihr die Entwicklung von azubister in den nächsten ein bis drei Jahren ein; was sind eure Ziele?
Diehl: Bis Ende des Jahres möchten wir unsere angestrebte kritische Masse an Mitgliedern überschritten haben, sowie zahlreiche Ausbildungsbetriebe mit an Bord haben. Ein weiteres Ziel ist es natürlich auch, interessierte Partner und Sponsoren für unsere Idee zu gewinnen, die an das Thema Ausbildung und den sozialen Charakter von azubister glauben und diesen teilen. Wie schon erwähnt stecken wir voller Ideen, für deren Umsetzung wir viele gute Leute brauchen…und die sind bekanntlich teuer.
SWDD: Vielen Dank für diesen Einblick in azubister. Danke für das Interview.


























1 Kommentar
Azubister - Social Network für Auszubildene - Tobbis Blog
Samstag, 24th Mai 2008 at 11:19
[...] Andrè von So-war-das-damals bin ich auf das Social Network Azubister gestoßen, wo er die Macher interviewt hat. Vom Aufbau [...]
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